Mehrkosten bei Zöliakie


Im Schnitt gibt man als Zöliakiebetroffene/r 97€ mehr im Monat für glutenfreie Brot & Getreideerzeugnisse, sowie Kekse aus (DZG Mehrkostenstudie, 2014).

Immer mal wieder passiert es mir, dass neue Bekannte mit denen ich essen oder einkaufen gehe, entsetzt darüber sind wie groß der Preisunterschied der glutenfreien Produkte zu glutenhaltigen ist. Häufig die Frage „Aber du hast ja keine Wahl. Als Zöliakiebetroffene musst du schließlich glutenfreie Produkte kaufen. Zahlt das denn die Krankenkasse?“ Nein, tut sie nicht.

Warum entstehen durch glutenfreie Produkte überhaupt Mehrkosten?

Ein glutenhaltiges Vollkornbrot kostet circa 2,90€, ein glutenfreies ca. 9,97€ (DZG Mehrkostenstudie, 2014)

Die Mehrkosten der glutenfreien Produkte sind unvermeidbar. Zum Einen sind es meistens Nischenprodukte, die in relativ kleinen Stückzahlen produziert werden, was die Kosten in die Höhe treibt. Zum Anderen ist die Produktion von glutenfreien Lebensmitteln einfach teurer. In den letzten paar Wochen hat Daniel dir bereits ein paar Zutaten vorgestellt, die z.B. Panista für die Herstellung der glutenfreien Waren nutzt. Für glutenfreie Lebensmittel werden neben Kartoffel- und Reismehl in qualitativ hochwertigen Produkten in der Regel auch häufig noch weitere, alternative Rohstoffe wie Amaranth, Flohsamenschalen oder Hanfmehl verwendet. Diese nicht allzu verbreiteten Naturprodukte sind um Einiges teurer als die populären glutenhaltigen Mehle und müssen zudem nachweislich strikt getrennt von anderen Getreiden angebaut und produziert werden. Auch in den anschließenden Produktionsverfahren muss eine komplett glutenfreie Umgebung gewährleistet sein. Gerade für nicht glutenfrei spezialisierte Unternehmen bedeutet das einen nicht unerheblichen Aufwand und eben einen Kostenfaktor.

Selbstverständlich gibt es aber auch bei glutenfreien Produkten Preisunterschiede, die in der Regel eng mit der Qualität korrelieren. Durch den vermehrten Zusatz von Geschmacksverstärkern oder Zucker können die Stückkosten gesenkt werden, aber die Qualität leidet darunter enorm.

Gibt es Zuschüsse für von der Krankenkasse oder vom Staat?

Die einzige effiziente Therapie für eine/n Zöliakiekrank/n ist eine lebenslange, glutenfreie Diät.

Menschen mit einem anderen Krankheitsbild bekommen Medikamente. Zöliakiekranke oder Glutenintolerante sind auf glutenfreie Lebensmittel angewiesen und müssen damit mit deutlichen Mehrkosten leben. Die Krankenkassen in Deutschland unterstützen die Betroffenen, außer in Härtefällen, finanziell jedoch gar nicht. Anders als in vielen anderen europäischen Ländern! Trotz einer Klage eines Betroffenen im Jahr 2010! Selbst die Mehrheitskostenstudie der DZG aus den Jahren 2012-2014 und der anschließende Appell an die Kassen blieb ohne Erfolg.

Als Zöliakiebetroffene/r wird ein Behinderungsgrad von 20 anerkannt.

Auch vom Staat sind keine Zuschüsse zu erwarten. Diese können höchstens mit Anerkennung eines Härtefalls im Rahmen der Einkommenssteuerveranlagung beantragt werden. Die Voraussetzung dafür ist jedoch ein Behindertengrad von mindestens 30.

Aber das ist doch unfair, oder?

Das ist eine sehr subjektive Frage, die ich trotzdem versuche objektiv zu beantworten.

Auf der einen Seite gibt es wirklich deutlich kostenintensivere Stoffwechselkrankheiten. Im Allgemeinen beschreiben Ärzte Zöliakie als die „harmloseste“ Stoffwechselkrankheit, im Vergleich zu Diabetes & Co. Häufig sind deren Behandlungsmethoden und Medikamente um ein vielfaches teurer (und teils auch drastischer), als der Kauf und Konsum von diätischen Lebensmitteln.

Nichtsdestotrotz sind die Mehrkosten, die eine glutenfreie Ernährung mit sich bringt nachweisbar und nicht zu unterschätzen. Gerade für Betroffene mit weniger Einkommen sind 97€ Zusatzkosten im Monat ein ganz schöner Batzen. Das Argument man könne sich ausschließlich durch natürlich glutenfreie Produkte ernähren, schlägt aus meiner Sicht den Verzicht auf einen Teil Lebensqualität vor.