Die Kontroverse um Zucker – Zu Recht verteufelt?

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Nachdem die vegetarische und vegane Ernährungsweise jetzt ausreichend durchgekaut worden ist, haben die „Ernährungsexperten“ diverser Zeitschriften ein neues Lieblingsthema gefunden: Zucker. Das weiße Kristall wird verteufelt und auf einmal soll man am Besten ganz darauf verzichten. Aber ist der Zuckerkonsum wirklich so dramatisch und was heißt denn zu viel? Ich habe mich mit dem Thema beschäftigt und geschaut, warum das Thema Zucker auf einmal so problematisch ist.

Wir Deutschen essen pro Jahr im Durchschnitt 87 g Zucker täglich , das entspricht 32 Kilogramm insgesamt!

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt  Erwachsenen einen Konsum von allerhöchstens 50 Gramm, optimalerweise eher 25 Gramm. Doch warum sind die Zahlen dann so hoch, essen wir zu viel Süßes? Nein! Das Hauptproblem sind weder Kuchen, noch Eis oder ander Süßwaren, sondern hauptsächlich schlechte Aufklärung in welchen Lebensmitteln Zucker versteckt ist und vor allem wie viel. Gerade einmal 5,5 kg, also nicht einmal 1/5 des Zuckers nehmen wir tatsächlich durch Süßwaren zu uns. Hier ein paar Beispiele für Zuckerfallen:

  • Ketchup besteht zu einem Drittel aus Zucker
  • ein durchschnittlicher Becher Fruchtjoghurt (150 g) enthält 22 Gramm Zucker
  • in einem Glas Cola (300 ml) sind 30 Gramm Zucker enthalten

Besonders der letzte Punkt ist entscheidend, so ergab eine Studie von foodwatch, dass Jungen zwischen 12 und 17 Jahren in Deutschland durchschnittlich einen halben Liter zuckergesüßte Limonade pro Tag trinken. Hinzu kommen Zuckerzusätze, die durch ihre Begrifflichkeiten auf den ersten Blick nicht direkt mit Zucker assoziiert werden, hinter denen sich dennoch Zucker verbirgt.

Maltodextrin, Glukose, Karamellsirup, Saccharose und viele weitere sind Inhaltsstoffe, die ebenfalls Zucker(-basiert) sind.

Die Lebensmittelindustrie nutzt diese Begriffe häufig, um zu tricksen und den Verbraucher zu irritieren. Produkte, die beispielsweise als ‚zuckerreduziert‘ deklariert sind, können dank Maltodextrin & Co sogar mehr Zucker enthalten, als übliche Produkte. Selbst ‚zuckerfreie‘ Produkte sind nicht wirklich zuckerfrei, sondern können legal dementsprechend bezeichnet werden, wenn nicht mehr als 0,5% Zucker einem Produkt hinzugefügt wurden. Alles andere als transparent.

Ist Zucker jetzt grundsätzlich etwas schlechtes? Nein!

Der Körper produziert selbst Zucker (Glucose) als Energielieferant, um für reibungsläufe Abläufe zu sorgen. Besonders das Gehirn benötigt diese Energie, um zu funktionieren. Zucker an sich ist also nichts Schlechtes, übermäßiger Konsum jedoch schon. Allgemein bekannt ist, dass ein hoher Zuckerkonsum zu Übergewicht, Diabetes oder auch Herz-Kreislauf Erkrankungen führen kann. Somit sollte man einen übermäßigen Konsum tatsächlich vermeiden. Das heißt aber nicht, dass das Nutella Brot am Morgen und das Stück Kuchen am Nachmittag strickt verboten werden muss. Dem Einen ist das Glas Cola wichtiger, dem Anderen das Stück Schokolade, Manchen reicht wiederum der Fruchtzucker aus Obst. Wie immer gilt die Regel alles in Maßen! Wirklich problematisch am Zuckerkonsum ist die schlechte Aufklärung der Konsumenten und die fehlende Transparenz der Lebensmittelindustrie.

Wirtschaftliche/Politische Lösungen:

Wie bereits angsprochen, sind die komplexen Begrifflichkeiten für Zucker ein großes Problem. Hier sehe ich die Lebensmittelproduzenten in der Verantwortung ihre Produkte eindeutig zu deklarieren und für eine anständige Transparenz zu sorgen. Politisch gilt tatsächlich England als Vorreiter im Bezug auf die Reduktion von Zuckerkonsum. Großbritannien hat nicht nur eine Zuckersteuer erlassen, sondern bietet ebenso freiwillige Reforierungsprogramme an. Hinzu kommt das Verbot von Werbespots, die extrem Fett- oder Zuckerhaltige Lebensmittel für Kinder anpreisen. Maßnahmen, die in Deutschland bisher gänzlich fehlen.

Private Lösungen:

Wenn du deinen Zuckerkonsum besser einschätzen oder reduzieren möchtest, gibt es einige Tipps, das zu tun:

  • Setze dich mit den oben genannten Begriffen (die Liste ist endlos) auseinander und informiere dich, um die Inhaltsstoffe entsprechend einordnen zu können.
  • Seit ein paar Jahren muss auf jedem Produkt eine Nährwerttabelle abgebildet sein, die dir Auskunft über den Zuckergehalt pro 100 Gramm gibt.
  • Grundsätzlich wird Zucker häufig als Geschmacksträger oder Konservierungsstoff eingesetzt. Je weniger Fertigprodukte und je mehr frische Lebensmittel du konsumierst, desto besser/zuckerärmer.

Wenn du meinem Blog schon länger folgst weißt du, dass mir als süßer Zahn, eine zuckerfreie Ernährung wirklich sehr schwer fallen würde. Aber für mich steht eine ausgewogene, gesunde Ernährung im Vordergrung. Und in meinen Augen heißt Zuckerarm nicht zwingend gesünder. Vielleicht hast du die Initiative von Rewe mitbekommen, die eine Zeit lang Schokopuddings mit verschiedenem Zuckergehalt haben testen lassen. Wer sich die Nährwerte der verschiedenen Puddings mal genauer angeschaut hat, hat beispielsweise gesehen, dass der Zuckergehalt niederiger, aber der Fettgehalt deutlich höher wurde. Deswegen halte ich es für richtig, Lebensmittel immer kritisch zu betrachten und für sich selbst ein ausgewogenes Mittelmaß zu finden.

Nicht zu viel, nicht zu wenig, bewusst, aber lecker! 🙂

Viele Grüße

Deine Marie

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